Eine leere Wiener Theaterbühne, von einem einzelnen warmen Scheinwerfer beleuchtet

In liebevollem Gedenken

Johannes Krisch

1966 — 2026

Schauspieler. Wien. Dreißig Jahre auf den Brettern des Burgtheaters.

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„Der Vorhang fällt, und das Licht bleibt noch einen Augenblick auf den Brettern.“

Ein Abschied aus dem Ensemble

Sein Leben

Ein Leben für die Bühne

Porträt von Johannes Krisch
Johannes Krisch · Wien

Johannes Krisch wurde 1966 in Wien geboren. Zur Schauspielerei kam er durch eine Seitentür: ausgebildet als Tischler, baute er ein Bühnenbild und verließ das Theater nie wieder ganz. Ab 1986 arbeitete er als freier Schauspieler auf Wiens kleinen Kellerbühnen, 1988 ging er ans Theater Liechtenstein.

1989 trat er in das Ensemble des Burgtheaters ein, dem er drei Jahrzehnte angehörte — in der österreichischen Erstaufführung von Sergi Belbels Die Zeit der Plancks, als Milota von Rosenberg in Martin Kušejs Ottokar und in Thomas Bernhards Die Macht der Gewohnheit. Er spielte bei den Salzburger Festspielen, sang Lou Reed, wirkte in mehr als vierzig Filmen mit und übernahm 2021 die künstlerische Leitung der Raimundspiele Gutenstein.

Woran sich seine Kolleginnen und Kollegen erinnern, ist nicht die Liste. Es ist die Stille, die er vor einem Satz halten konnte, und die Wärme, die er abseits der Bühne mitbrachte.

Die Jahre

Kapitel

  1. 1966

    In Wien geboren

    Eine Stadt der Theater, und eine Kindheit in Hörweite davon.

  2. 1986

    Von der Tischlerei auf die Bühne

    Zuerst zum Tischler ausgebildet. Nachdem er für eine Produktion das Bühnenbild gebaut hatte, blieb er — und begann als freier Schauspieler in Wiens Kellertheatern.

  3. 1988

    Theater Liechtenstein

    Die ersten Ensemblejahre, und jene Disziplin, die ihn prägen sollte.

  4. 1989–2019

    Burgtheater, Wien

    Dreißig Jahre im Ensemble des österreichischen Nationaltheaters, in Arbeiten mit Claus Peymann, Jürgen Flimm, Hans Neuenfels, Ruth Berghaus, Leander Haußmann, Karlheinz Hackl, Paulus Manker und Philip Tiedemann.

  5. 2003

    Mirrors

    Eine Platte, entstanden mit Andy Radovan — Lieder von Lou Reed und The Velvet Underground, gesungen mit seiner eigenen rauen Stimme.

  6. 2008

    Revanche

    Die Hauptrolle in Götz Spielmanns oscarnominiertem Drama. Jene Darstellung, die Wiens Bühnen in die Kinos der Welt trug.

  7. 2021

    Raimundspiele Gutenstein

    Zum künstlerischen Leiter berufen — und im selben Jahr Karl Bockerer am Theater in der Josefstadt.

Auf der Leinwand

Ausgewählte Filme

  • 2008RevancheAlex
  • 2011Die VaterlosenHans
  • 2011360Rocco
  • 2014Im Labyrinth des Schweigens
  • 2016A Cure for WellnessDer Hausmeister
  • 2017Aus dem NichtsVerteidiger Hartenbeck
  • 2019Ein verborgenes LebenMüller
  • 2020Narziss und GoldmundGoldmunds Vater
  • 2022MärzengrundElias
  • 2025The Phoenician SchemeKardinal
Eine einzelne brennende Kerze im Dunkeln

Kondolenzbuch

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Worte derer, die ihn kannten

Bisher 5 Nachrichten

  • Elisabeth Hofer

    Ensemble, Burgtheater · 14. Juli 2026

    Dreißig Jahre im selben Haus, und er kam noch immer als Erster, jedes einzelne Mal, um allein auf der Bühne zu stehen, bevor die anderen eintrafen. Ich dachte immer, er hört dem Raum zu. Vielleicht hat er das. Danke, Johannes.

    Der Gang zu seiner Garderobe, aufgenommen nach dem letzten Bockerer.

    Ein Gang hinter der Bühne, die Garderobentür einen Spalt offen
  • Familie Wagner

    13. Juli 2026

    Wir haben Revanche in einem kleinen Kino in Graz gesehen und auf dem ganzen Heimweg kein Wort gesprochen. Unser Beileid gilt seiner Frau und seiner Familie.

  • Tobias Lindner

    Aus seinem Unterricht · 13. Juli 2026

    Er hat mir einmal gesagt: „Spiel die Stille nicht. Lass sie einfach geschehen.“ Diesen Satz trage ich seither in jeden Probenraum.

    Das Programmheft, das er mir 2011 signiert hat.

    Ein abgegriffenes Theaterprogramm und eine Lesebrille auf einem dunklen Tisch
  • Anneliese K.

    Publikum, Gutenstein · 12. Juli 2026

    Jeden Sommer bei den Raimundspielen hat er das Publikum selbst am Tor begrüßt. Ein großer Schauspieler und ein gütiger Mensch. Ruhe in Frieden.

    Reihe 7, Platz 12 — dort saßen wir immer.

    Eine einzelne weiße Rose auf dem roten Samt der Theatersitze
  • Markus Feldner

    Bühnentechnik, Theater in der Josefstadt · 12. Juli 2026

    Er hat sich immer zuerst bei der Crew bedankt. Immer. Das Haus ist diese Woche sehr still.